Kaiserstraße Friedberg

Anwohner wollen mitredenkaiser1

Von Bruno Rieb

„Kaiserstraße – unser Wohnzimmer“. Was wie der Titel einer Obdachlosenzeitung klingt, ist der Name einer neuen Bürgerinitiative in Friedberg (Hessen). Anwohner wollen mitreden, wie der Boulevard der Kreisstadt umgestaltet werden soll.

Neues Leben einhauchen

Es liege vieles im Argen. Der Kaiserstraße müsse neues Leben eingehaucht werden, sagte Andrej Seuss von der BI. Bisher seien bei den Planungen nur Politiker, Hauseigentümer und Einzelhändler zu Wort gekommen, „aber die Bürger hatten kein Sprachrohr“, meint Seuss, der selbst einmal Stadtverordneter der Grünen war.

„Ich stehen ihnen für einen regelmäßigen, strukturierten Diskussionsprozess zur Verfügung“, versprach Bürgermeister Michael Keller (SPD) der BI, als er am Donnerstagabend (5. März 2015) deren Gast im Alten Hallenbad war. Ein symbolträchtiger Versammlungsort: das lange leer stehende Bad ist durch Engagement der Bürger wieder nutzbar geworden. Ähnlich sich sich die BI bei der Kaiserstraße in der Pflicht. Sie empfindet ihr Wohnzimmer als einen recht heruntergekommen Raum.

Nach jahrelangem Verfall haben erste Renovierungsarbeiten begonnen: Mit dem Elvis-Presley-Platz ist eine zentrale Stelle an der Straße erneuert worden. Der Namensgeber des Platzes könnte für die gespaltene Meinung über den Erfolg der Renovierung stehen: die einen finden den platz schön wie den jungen Elvis, die anderen hässlich wie den gealterten, durch Tablettenabhängigkeit aufgedunsenen gealterten Rock’n’Roll-Star.

kaiser

Elvis-Presley-Platz. (Fotos: Rieb)

 

Limonade aus der Ex-Toilette

So öde, wie er jetzt ist, wird der Platz nicht bleiben, versprach der Bürgermeister. Platanen („Richtig große Bäume.“) seien bereits gekauft und sollen spätestens Anfang April gepflanzt werden. Der Wochenmarkt soll eventuell auf den Presleys-Platz verlegt werden. Am Sonntag sollen die Stände in einer öffentlichen Veranstaltung probeweise aufgestellt werden. Und Feste sind geplant, um Platz und Einkaufsmeile zu beleben. Keller: „Die Aufgabe der Stadt ist es, Frequenz, Frequenz, Frequenz zu schaffen.“

Das Schicksal der Toilette auf dem Platz, Café Rund genant, ist noch nicht entschieden. Es wird sogar erwogen, es zu einem wirklich Café zu machen. Eine Limonade aus dem Ex-WC – ein prickelnder Gedanke. Für eine Bewirtung des Platzes gibt es laut Keller Interessanten. Die Stadt werde dabei die Gestaltung in der Hand behalten. Keller: „Wenn ein Gastronom drauf will, muss er sagen, welche Bestuhlung drauf soll.“

Die an den Platz angrenzende ehemalige Maschinenfabrik Reuß ist in der Hand eines Investors. Die künftige Nutzung soll laut Keller nicht für mehr Verkehr sorgen. Entlang der einstigen Stadtmauer sollen eventuell Wohnungen entstehen. Neue Büros dürften in der Friedberger Innenstadt nicht mehr geschaffen werden, sagt der Bürgermeister.

Autos haben vorfahrt

Im nächsten Schritt soll das Stück der Kaiserstraße zwischen Presley-Platz und Ockstädter Straße auf beiden Seiten umgestaltet werden. Ob die Kreuzung mit der Ockstädter Straße dabei zum Kreisverkehr wird, ist laut Keller noch nicht entschieden.

Der dereinst probeweise umgestaltete Kaiserstraßen-Bürgersteig.

Der dereinst probeweise umgestaltete Kaiserstraßen-Bürgersteig.

Die Dreiteilung in Bürgersteig, Seitenstreifen und Fahrbahn werde beibehalten, sagte Keller. Aus den reihen der BI war vorgeschlagen, diese Aufteilung aufzuheben, um Fußgängern mehr Raum zu geben und den Autoverkehr zu beruhigen. Der Autoverkehr und die Parkplätze sind der Streitpunkt, an dem Jahrzehntelang die Planungen zur Umgestaltung des Boulevards scheiterten. Vor gut 20 Jahren war probeweise ein knapp 100 Meter lange Stück Bürgersteig auf der Ostseite unweit der Burg umgestaltet worden. Dieses Rumpfstück mit seinem Radweg aus dem Nirgendwo ins Nirgendwo ist eine Art Wahrzeichen für die schwierig Wohnzimmerrenovierung. Andere Städte müssten sich eine neue Mitte bauen, „wir müssen die Alte Mitte an die neue Zeit anpassen“, sagt Keller.

Wann der Abschnitt zwischen Presley-Platz und Ockstädter Straße begonnen werden soll? „Noch in diesem Jahrzehnt“, sagt der Bürgermeister.

Der öffentliche Probelauf für den Wochenmarkt auf dem Elvis-Presley-Platz ist am Sonntag, 8. März, um 11 Uhr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.