FR-Redaktion Bad Vilbel

Wir hatten eine gute Zeit

 

juliane

 

 

Die langjährige Wetterauer Redakteurin der Frankfurter Rundschau Juliane Kuglin erinnert sich an ihren alten Arbeitsort in Bad Vilbel und an die Friedberger FR-Redaktion:

 

 

 

 

 

 

Auch im Süden der Wetterau gab es eine FR-Redaktion. Nur wegen der Vollständigkeit der Nostalgie. Da fällt mir der Grüne Weg ein, wo ich hinter Gittern arbeitete, mit Hannes M., dem Beherrscher der Lochstreifen des Fernschreibers. Himmel, was haben wir an Technik alles erleben dürfen! Heute stehen Kinder fassungslos vor Telefonen mit Wählscheibe…….

Zur Friedberg fällt mir ein: Vor Winfried R. hat Margit Fehlinger (hieß damals anders) mit Horst Schüßler zusammengearbeitet. Da war die Redaktion noch in seiner Wohnung! Und es gab täglichen Zoff zwischen beiden, bis Margit sich wegbewarb. In der Redaktion direkt auf der Hauptstraße in Friedberg konnten wir Telefongespräche nicht verbinden, sondern mussten das Telefon weiterreichen, so dass am Ende des Arbeitstages zwischen den Schreibtischen ein Netz aus Telefonkabeln war, das wir entwirren mussten. Unvergessen aus der Zeit auch Schüßlers Ausspruch: „Ist doch unglaublich, wie viel Kaffee in den langen Heininger rein passt!“

Wir hatten eine gute Zeit bei der FR – bis zu einem bestimmten Zeitpunkt.

FR-Redaktion Bad Vilbel

Auch die Vilbeler Redaktion in der Niddastraße hatte was! Zweieinhalb Stübchen. Das Klo eine halbe Treppe tiefer teilten wir uns mit der syrischen Gemüsefrau mit Laden in der Garage nebenan. Sie musste jedes Mal klingeln, wenn sie musste. Das halbe Stübchen war meines. Halb insofern, als dort noch der Kleiderschrank der Vermieter stand und direkt neben meinem Schreibtisch das Trimmfahrrad des Hausherrn, das er gern am Nachmittag nutzte, während ich im Redigier-Stress war. Der nahe Kontakt zu den Vermietern hatte auch Positives: Die Dame des Hauses brachte uns hin und wieder montags leckeren  Kuchen, der von der Sonntagskaffeetafel übrig geblieben war. Gearbeitet haben dort Georg Linde, Hannes M., Jörg Muthorst und ich.

Schöne Geschichten gibt es allemal über den direkten Kontakt zu unseren Leserinnen und Lesern – das gab es ja wirklich einmal!!! Wir brauchten keinen Bronski: Unsere Abonnenten standen bei uns am Schreibtisch und redeten Klartext.

Unvergessen bleibt meinen Kollegen und mir das Ehepaar Lilli und Wolfgang G. aus Karben. Keiner las wohl die FR so aufmerksam wie diese zwei. Kein anderer begleitete uns durch viele Jahre so wohlwollend, aber eben auch sehr kritisch. Berüchtigt waren die Briefe, die Lilli G. uns schrieb, handschriftlich und mit einer Akkuratesse, die wir bewunderten. In diesen Briefen wurden unsere manchmal schlampigen Formulierungen sowie Fehler in Interpunktion und Grammatik ausgesprochen freundlich, aber gnadenlos abgestraft. Zeitdruck ließ sie als Begründung – oder Ausrede – nicht gelten. Kam kein Brief, kam das Ehepaar selbst.

Als die ohnehin schon geschrumpfte Rest-Redaktion, unterstützt durch Ex-Kollegen und Sympathisanten, im Februar 2013 vor der Zentrale der FR am Karl-Gerold-Platz in Frankfurt für den Erhalt ihrer Zeitung und ihrer Arbeitsplätze demonstrierte, war auch das Ehepaar G. dabei, trotz des fiesen Schneeregens extra aus Karben angereist.

Eine Erfindung von Klaus Nissen war das Sommerloch. Wir standen dazu, veröffentlichten ein Loch in der Seite und ließen es von den Leserinnen und Lesern zuschreiben oder zumalen. Zeitung machen kann auch Spaß machen…

Ich tausche mich regelmäßig mit Kollegen auch über die Zustände in der alten Zentralredaktion aus, in der ich ja auch über Jahre gearbeitet habe. Als Zeitung machen nicht nur Arbeit / Broterwerb war. Da kann man schon nostalgisch werden!

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