Ihr Limit: Null Euro

Warum die Bank immer gewinnt

Nissens Woche – die achte

KlausEs war nur eine kurze, computergenerierte Nachricht. Der Nadeldrucker gab sie auf einem Kontoauszugsformular heraus, als ich im Automatenraum meiner Friedberger Bankfiliale ein wenig Geld abhob. Binnen zwei Sekunden war ich auf Hundertachtzig. Schade, dass die Kundenberater schon Feierabend hatten. Ich hätte sie gerne rund gemacht, um mich abzureagieren.

Die Botschaft lautete sinngemäß: Seit einiger Zeit bekommen Sie kein regelmäßiges Gehalt mehr auf Ihr Konto. Deshalb reduzieren wir Ihr Dispolimit ab sofort auf € 0,00. Mit freundlichen Grüßen: Ihre Bank.

Warum die Bank immer gewinnt


 

Ich hab ja keinen Kredit mehr. Aber wenn ich ihn bekäme, müsste ich neun bis 14 Prozent Zinsen bezahlen.

Ich hab ja keinen Kredit mehr. Aber wenn ich ihn bekäme, müsste ich neun bis 14 Prozent Zinsen bezahlen.

Das kann mir eigentlich egal sein, denn ich bekomme trotzdem jeden Monat genügend Geld aufs Konto. Nur eben nicht von einem klassischen Arbeitgeber. Dispo brauche ich nicht; seit mindestens 30 Jahren habe ich mein Konto nicht mehr überzogen.

Trotzdem schickte ich einen Zornesbrief an den Filialleiter. So lange sei ich nun schon bei dieser Bank. Ich habe ihr jeden Monat Geld zukommen lassen, und an der Hypothek fürs Häuschen habe die Bank so manchen Tausender verdient. Da sei es unverschämt, mir automatisch die Kreditwürdigkeit abzusprechen. Ich überlege nun ernsthaft, die Bank zu wechseln.

Der Filialleiter rief mich sofort an. Er bedaure, dass ich so gekränkt sei. Aber ich müsse verstehen, das seien nun mal die allgemeinen Richtlinien. Ich sei ja kein fauler Kunde, doch die Bank müsse sich schützen. Und sie habe nicht genug Leute, um jeden Einzelfall genau zu prüfen. Wir haben eine halbe Stunde gestritten und uns dann darauf geeinigt, dass wir nicht einig sind.

Die einzige Griechen-Münze in meiner Geldbörse ist ein 20-Cent-Stück mit dem Porträt des ersten Griechen-Präsidenten Ioannis Kapodistrias (1776-1831). Ich werde 20 Cent und noch ein bisschen mehr an ein Hilfsprojekt für die Menschen in Griechenland spenden. Wahrscheinlich an aerztederwelt.org

Die einzige Griechen-Münze in meiner Geldbörse ist ein 20-Cent-Stück mit dem Porträt des ersten Griechen-Präsidenten Ioannis Kapodistrias (1776-1831). Ich werde 20 Cent und noch ein bisschen mehr an ein Hilfsprojekt für die Menschen in Griechenland spenden. Wahrscheinlich an aerztederwelt.org

 

Spontaner Kassensturz: In meiner Börse befinden sich gerade 23,36 Euro. Ein Schein und 19 Münzen. Letztere wurden alle in Deutschland geprägt. Nur eine Münze stammt aus dem Ausland. Fotos: Nissen.

Spontaner Kassensturz: In meiner Börse befinden sich gerade 23,36 Euro. Ein Schein und 19 Münzen. Letztere wurden alle in Deutschland geprägt. Nur eine Münze stammt aus dem Ausland. Fotos: Nissen.

Diese Episode vom Jahresende fiel mir wieder ein, als ich in dieser Woche gespannt den Kredit-Poker zwischen Varoufakis, Schäuble und diesem extrem unsympathischen Dijsselbloem verfolgte. Mit schwankenden Gefühlen. Ja – die Griechen haben Recht, wenn sie Respekt einfordern. Und das Eingeständnis der Gläubiger, dass die Griechen diesen Mega-Schuldenberg niemals abtragen können. Andererseits grinste Varoufakis mir zu breit und zu künstlich. Und Schäubles „Basta“ fand ich angemessen. Habe selber schlechte Erfahrungen mit Leuten, denen ich Geld lieh und von denen ich immer wieder vertröstet wurde.

Fazit vonnt Janze: Wer Nicht-Millionär oder gar pleite ist, kann zwar ein bisschen rumkaspern, hat aber nichts zu sagen. Die Bank gewinnt immer. Viele Politiker dienen den Reichen. Die arbeits- und obdachlosen Griechen interessieren sie einen Dreck. Ein Care-Programm wäre ihnen zu teuer. Die Mehrheit der Politiker und Banker redet auch nicht über den skandalösen Reichtum der reichsten Deutschen. Und darüber, wie man von deren Vermögen ein paar Milliarden den vielen Armen in Deutschland zukommen lässt. Das Thema wird (leider auch von den meisten Journalisten) konsequent ignoriert. Das Volk kann noch ewig auf finanzielle Gerechtigkeit warten. Dabei hätte es die Macht, sie zu erzwingen. Wenn es endlich mal den Arsch hochkriegen würde.

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