Katzen killen

Das Haustier auf der Abschussliste und dem Speiseplan

Von Bruno Riebkatze1

Der Deutschen liebstes Haustier steht auf der Abschussliste der Jäger in Hessen weit vorne: 652 Katzen ballerten sie im Jagdjahr 2012/13 ab. In Nordrhein-Westfalen soll der Katzenmord verboten werden. In der Wetterau stand die Tierchen einmal auf der Speisekarte.

Katzen killen

Die Zahl der Katzen in Deutschland wird auf über sieben Millionen geschätzt, davon streunen schätzungsweise zwei Millionen herrenlos durch die Landschaft. Das Hessische Jagdgesetz erlaubt den Jägern, „Katzen, in einer Entfernung von mehr als 500 Meter, im Zeitrum vom 1. März bis 31. August in einer Entfernung von mehr als 300 Meter von der nächsten Ansiedlung jagend angetroffen werden, zu töten“. Die Weidmänner machen davon rege Gebrauch. Laut Streckliste des Landes Hessen für das Jagdjahr 2012-2013 ballerten sie 652 wildernde Katzen ab. Dagegen liefen ihnen nur elf wildernde Hunde vor die Flinte.

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Der Stubentiger sollte zu Hause bleiben, wenn ihm das Leben lieb ist. (Fotos: Bruno Rieb)

In Nordrhein-Westfalen ballern die Weidmänner noch fleißiger auf streunende Miezen. Rund 7600 erlegten sie im Jagdjahr 2012/13. Dem fleißigen Katzen-Abballern will die rot-grüne Landesregierung nun einen Riegel vorschieben: Ab dem Jagdjahr 2015/16 soll es ein Abschussverbot geben. Das ist heftig umstritten, denn wildernde Katzen gelten zahlreichen Studien aus dem Inn- und Ausland zufolge als mitverantwortlich für das Aussterben bedrohter Tierarten. In Australien führt Professor John Woinarski von der Charles Darwin University zwanzig einheimische Säugetierarten auf, für deren Aussterben er Katzen teilweise oder gänzlich verantwortlich macht, berichtete jetzt die Neue Züricher Zeitung. Auf dem Gewissen hätten sie sie unter anderem den Schweinsfuss-Nasenbeutler, das Mondnagelkänguru, die Kleine Häschenratte oder auch die Kurzschwanz-Hüpfmaus. Das Institut für Haustierkunde der Universität Kiel hat ermittelt, dass Singvögel rund 20 Prozent der Beute der Katzen ausmachen, berichtet der Naturschutzbund (Nabu).

Lecker Katzenfleisch

Der Umgang der Menschen mit Katzen ist in Zeiten des Wohlstandes anders als in Zeiten der Not. Das geht aus den Lebenserinnerungen „Gestern in Friedberg“ des ersten Wetterauer Landrates Erich Milius (1907-1996) hervor. Während des Ersten Weltkrieges waren Lebensmittel knapp geworden. Der kleine Erich war beim Melker Josef zum Essen eingeladen. „Du kannst ruhig essen, es schmeckt wie Kalbfleisch“, sagte Josef. Der hungrige kleine Landrat in Spe verschlang des Fleisch mit der hellen Soße und den Kartoffeln. Es war Katzenfleisch, verriet ihm Josef hinterher. Draußen sah Erich noch den Balg des Tierchens. „Als ich meiner Mutter von dem Essen berichtete, war sie entsetzt“, erzählt Milius. Die Mutter verbot ihm Katzenfleisch. Aber der sonst recht brave Sohn war diesmal ungehorsam. Der Hunger war stärker als alle Moral. Milius: „Wenn Josef mich gelegentlich wieder einlud und mir dabei zuflüsterte, er habe wieder eine gefangen, dann ging ich hin und nahm sogar den kleinen Bruder mit.“

Tipps für Katzenbesitzer gibt der Nabu unter http://www.nabu.de/nabu/nh/jahrgang2006/heft2/04868.html

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