Die Medien der Nazis

Sorglos im Internet

Von Bruno Rieb

Wo verbreiten Neonazis bevorzugt ihre rassistisches und gewaltverherrlichendes Gedankengut? Hier, im Internet. Ihre Tummeldfelder sind die sogenannten Srechteozialen Netzwerke, Facebook und Twitter vor allem, und Blogs.  Das berichteten der Journalist der Frankfurter Rundschau Hanning Voigts und der DGB-Jugendbildungsreferent Sascha Schmidt in einer Veranstaltung der Journalistengewerkschaft dju und des DGB-Stadtverbandes Frankfurt. „Die Nazis und ihre Medien“ war das Thema das Informationsabends im Frankfurter Café Wiesengrund. Die neuen Anhänger alten faschistischen Gedankengutes stellen sich recht unbefangen  im weltweiten Datennetz dar.  Wie jener Aktivist im Lumdatal, der ein Foto ins Netz stellte, auf dem er vor Hakenkreuzen posierte. Gegen den jungen Mann läuft nun ein Strafverfahren. Die Sozialen Netzwerke seien für die Neonazis so Alltag geworden, dass sie sich dort recht sorglos präsentieren, sagte Voigts.

Wie man gegen die rechte Hetze im Netz vorgehen kann, wollte einer aus dem Publikum  wissen. Anzeige erstatten und bei Facebook oder Twitter auf ein Sperren des Auftritts hinwirken, schlug Sascha Schmidt vor. Sich auf Diskussion mit den Nazis in deren Foren einzulassen sei nicht sinnvoll: „Das bringt nichts.“

Voigts dagegen hält nichts davon, die rechten Auftritte im Internet zu unterbinden. Sie sind für ihn eine wichtige Informationsquelle. „Ich habe an Löschungen kein Interesse“, sagt er. Morgens schaut er sich regelmäßig einschlägige Seiten an und erfährt zum Beispiel dass es nachts Hausdurchsuchungen bei Neonazis gegeben hat, von denen selbst ins Netz gestellt. Sogleich ruft er bei der Staatsanwaltschaft an und  trifft auf Verwunderung: Woher wissen Sie davon?“ Oder die Antifa macht auf Wohnungen von Neonazis aufmerksam und die belegen durch ihre empörte Reaktion im Netz, dass die Infos das Antifa zutreffen. Voigts: „Die Nazis sagen einen mehr über sich, als gut für sie ist.“

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Sascha Schmidt (links)und Hanning Voigts. (Fotos: Rieb)

Die Medien der Nazis

Das Internet hat den traditionellen Medien der Nazis wie dem NPD-Organ „Nationalzeitung“  längst den Rang abgelaufen. Die neuen Nazis versuchen sich ein neues Image zu verpassen. Die können mit „Braunhemden und Knickebockern nichts mehr anfangen“, so Sascha Schmidt. Sie treten auf wie ihre ärgsten Feinde, die autonome Antifa. „Schwarze Blöcke gehören inzwischen zu Neazi-Demos“, sagt Schmidt. Anglizismen seien nicht mehr verpönt. Voigts spricht von einem „moderneren und rebellischem Image“. Die Neonazis versuchten sich „auf der Höhe der Zeit“ zu präsentieren, würden dabei aber die alten Inhalte und NS-Bezüge transportieren.

Die Wetterau zählten die beiden zu den Nazi-Hochburgen. Hier sind führende Leute der Hessischen NPD aktiv, es gibt einen Kreisverband der Partei „Die Rechte“, die von gewaltbereiten Neonazis um den einschlägig bekannten Christin Worch gegründet wurde. Außerdem etabliert sich die Projektwerkstatt Karben als Zentrum der neuen Rechten. Jüngst referierte hier deren Chefideologe Felix Menzel, der die Jugendzeitschrift „Blaue Narzisse“ herausgibt.

Im Lumdatal unweit von Gießen haben Neonazis durch ihr dreistes auftreten Aufsehen erregt. Schmidt: „Die treten die Tür der Bürgermeisterin ein und sind dabei noch nicht einmal maskiert.“  Um die 50 Straftaten werden der Gruppe inzwischen angelastet. Auch im Internet präsentierten sich die Lumdataler Neonazis eifrig. Durch manipulierte Bilder versuchten sie ihre Gruppe größer darzustellen, als sie tatsächlich ist. Mit einer CD mit Rechtsrock versuchten sich in einer Schule Anhänger zu werden. Einer engagierten Lehrerin sei es zu verdanken, dass ihnen das nicht gelang, berichtet Voigts.  Die Lumdataler Neonazis seien vor allem Leute mit Problemen wie Alkoholismus und Arbeitslosigkeit.

Die Selbstdarstellung der Neonazis im Internet ist laut Voigts mit Vorsicht zu genießen. Oft sei es mehr „Schein als Sein“. Wie etwa das manipulierte Foto der Lumdataler, das ihre Gruppe größer erscheinen lassen solle als sie tatsächlich ist.

Nazimedien

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