Das hilft gegen Endzeitstimmung:

Schlappeseppel und Noppenfolie (und Schokolade!)

Nissens Woche – die fünfzigste

Klaus

Es geht mächtig aufs Ende zu. Silvester naht, Bilanz-Stimmung überkommt mich jetzt immer wieder. Was bleibt? Von diesem Jahr und überhaupt? Der Antwort bin ich mit meinem Freund Uwe am Freitagabend unter Zuhilfenahme einiger Flaschen Schlappeseppel und mehrerer Obstwässer nachgestiegen. Ich weiß noch: Gegen ein Uhr früh hatten wir die Menschheitsproblematik im Groben durchanalysiert. Und auch gute Ideen, wie sie zu lösen wäre. Dann übermannte uns die Müdigkeit. Und heute morgen waren leider all diese tollen Erkenntnisse verperlt, wie Dittsche sagen würde.

Das hilft gegen Endzeitstimmung: Schlappeseppel und Noppenfolie (und Schokolade!)

Also, eine Stufe nüchterner und kleiner: Was war gut in dieser Woche? Am Montag baute ich nur Stunden vor dem Nachtfrost die schon lange geplante Schutzecke für den Oleander auf die Terrasse. Ein paar Holzleisten und Winkel, darauf mit dem Tacker eine Noppenfolie. Das Gewächshaus überstand sogar das Stürmchen vom Freitag. Gut war auch, dass ich meiner Bücherzellen-Idee eine erste Tat folgen ließ. Am Donnerstag betrat ich zum ersten Mal nach 20 Jahren in diesem Ort die Katholische Gemeindebücherei. Da wirbelten erstaunlich viele Damen und ein paar Mädchen, katalogisierten, diskutierten und blätterten. Sie fanden meine Idee recht interessant und versprachen, sie noch vor Weihnachten beim Bücherei-Aktivenplenum zu besprechen. Ich habe auch herausgefunden, wo man eine ausrangierte Telefonzelle bekommen könnte. In Michendorf bei Berlin lagert die Telekom zehntausend Stück auf einem 15 Hektar großen Grundstück.

Gut war in dieser Woche schließlich, dass ich kaum raus musste. Außer zum Joggen und Einkaufen. Jeden Tag bekam ich Besuch – am Donnerstag schaute sogar einer spontan vorbei! So etwas gab es doch zuletzt in den Achtzigerjahren! Na ja, wir sind ja auch aus dieser Zeit. Mit Schorsch lebte ich 78 bis 79 in einer Gießener Studenten-WG. Am Donnerstag erzählte er mir, dass er nun in Altersteilzeit geht. Sic transit tempus.

Schorsch am Frühstückstisch unserer WG in der Gießener Ludwigstraße, irgendwann 1978. Was bleibt davon nach Jahrzehnten im Kopf? Abends aßen wir meistens Weißkrautsalat.

Schorsch am Frühstückstisch unserer WG in der Gießener Ludwigstraße, irgendwann 1978. Was bleibt davon nach Jahrzehnten im Kopf? Abends aßen wir meistens Weißkrautsalat.

Er ist noch gut beieinander, klappert im Sommer mit seinem Mountainbike die Mittelgebirge ab. Ich werde jetzt öfter auf sechzigste Geburtstage eingeladen und muss mir über die Gestaltung des eigenen Gedanken machen. Wir sind ja fast alle noch fit, sogar irgendwie jugendlich – aber trotzdem: Suffering `s gonna come to anyone some day, singt Willard Grant Conspiracy. Und dann? Am Arsch. Deine Fotoalben kommen in den Müll, die seit 1976 selbst verfassten Zeitungsartikel – also das so genannte Lebenswerk – mitsamt den Archivordnern ins Altpapier.

Wo ist da das Positive? Die Schlusspointe? Fällt mir gerade nicht ein. Zum Glück ist Uwe noch bis morgen zu Besuch. Wir werden heute Abend einen Schlappeseppel aufmachen und die Endlichkeitsproblematik so lange beleuchten, bis sie in positivem Lichte steht. Das ist bei Uwe nicht schwer. Er meint immer, dass der Planet ohne uns Menschen besser dastünde.

Ein Gedanke zu „Das hilft gegen Endzeitstimmung:

  1. Hallo Klaus,
    dein alter Kumpel Uwe hat recht. Ohne uns Menschen stünde unser Planet besser da.
    Aber: Was fange ich mit dieser Erkenntnis an, die ich schon seit mindestens vier Jahrzehnten mit mir herumtrage? Elementare Wahrheiten sind oft sehr lästig.

    Und im Übrigen ist Schlappeseppel völlig ungeeignet, um die Welt zu retten. Ich empfehle den echten Hausmacher-Apfelwein ohne Schwefel; der ist jetzt im zehnten Monat und deshalb richtig hart und ehrlich.

    Freundliche Grüße von Peter Gwiasda

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