Unseriöse Windkraftgegner

Pierpont, Pierpnot oder Perpont – Wie denn, wer denn, was denn?

Über den Wert „wissenschaftlicher“ StudienWIndrad-als-Symbolbild

Von Anton J. Seib

Eine zweifelhafte Studie soll belegen, dass Windräder krank machen.

Unseriöse Windkraftgegner

Wieder einmal verteilt „Gegenwind Wetterau“, eine Bürgerinitiative gegen den Bau von Windrädern, Flugblätter. Diesmal weisen sie auf eine Infoveranstaltung in Wölfersheim (Freitag, 7. November, 19.30 Uhr, Wetterauhalle) hin. Dort tritt unter anderen Dr. FlugblattEckhard Kuck vom „Unabhängigen Ärzteforum Emissionsschutz“ Bad Orb auf. Seine These: Windkraft macht krank. Eine seiner Kronzeuginnen: die amerikanische Medizinerin Nina Pierpont. Sie habe, führen Windkraftgegner gebetsmühlenartig an, in einer Studie nachgewiesen, dass Infraschall von Windrädern zu Symptomen wie Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche, innerer Unruhe, Nervosität usw. führe.
Ich habe einmal genauer hingeschaut, was es sich mit dieser Studie von Nina Pierpont auf sich hat; ist gar nicht so schwer, in vielen Publikationen der Windkraftgegner gibt es Einzelheiten dazu. Etwa auf der Seite „Faktensammlung Windkraft“, die Ulrich Richter aus Burghaun betreibt. Dort heißt es (http://www.ulrich-richter.de/fakten/gesundheit/infraschall/):

„Studie von Dr. N. Perpont (sic!). In der Studie von Dr. Pierpont wurden in einem Zeitraum von 4 Jahren die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Menschen, die in der Nähe wohnen, analysiert. Dies geschah in Form einer Fall-/Kontrollstudie mit statistischer Sicherung der Ergebnisse. An der Studie nahmen 10 Familien mit 38 Personen, die in der Nähe (innerhalb von 3 km) von WKA (1,5 – 3 MW) wohnten, teil.

Es konnten bei diesen Personen Krankheitssymptome festgestellt werden, die konsistent von Person zu Person waren, weshalb Dr. Pierpnot (sic!!) die Bezeichnung Wind Turbinen Syndrom als gerechtfertigt ansah. Die Symptome des WTS traten erst auf, nachdem die WKA in Betrieb genommen worden waren, sie verschwanden, wenn die Familien ihre Häuser verließen, und traten erneut auf, sobald die Familien wieder in ihre Häuser zurückkehrten. 9 der 10 Familien haben ihre Häuser wegen der Beschwerden für immer verlassen. Quelle: NINA PIERPONT, Wind Turbine Syndrome: A Report on a Natural Experiment, Santa Fe / New Mexico, K-Selected Books, 2009.“

So also geht Wissenschaft. Und Ulrich Richter und viele andere, auch Dr. Eckhard Kuck, nehmen solchen Unsinn offensichtlich ernst. Eine Studie mit zehn Familien und 38 Personen wie Ulrich Richter wissenschaftlich zu nennen, dabei den Namen der Wissenschaftlerin zwei Mal falsch zu schreiben, das Ganze als eine Fall-/Kontrollstudie mit statistischer Sicherung der Ergebnisse zu bezeichnen und mit einer unverschämten Chuzpe Pierponts Bezeichnung „Wind-Turbinen-Syndrom“ als quasi wissenschaftlich belegtes Krankheitsbild in die Debatte einzuführen – das grenzt schon an Volksverdummung.

Damit wir uns richtig verstehen: Über Windkraft kann man, muss man diskutieren. Aber seriös.

4 Gedanken zu „Unseriöse Windkraftgegner

  1. Landschaft wird durch Windkraft nicht unbewohnbar, wie es die Gegner immer behaupten. Windräder hinterlassen keine Altlasten. Gemessen am Kohletagebau ist der Eingriff in die Natur lächerlich. Wenn Windkraft der Preis für die Energiewende ist, dann muss er bezahlt werden. Nichtstun ist viel teurer.

  2. Hallo Herr Seib,
    ich surfe auch regelmässig auf Windkraftgegnerseiten und ärgere mich dann auch genauso regelmässig über die vielen Unwahrheiten (Lügen), die dich da lesen muss. Es gibt da so viel Unsinn zu lesen, das ich jedesmal frage „kommentiert du das jetzt und stellst es richtig, oder lässt du es sein?“. Bis jetzt habe ich nur die dreistesten Unwahreiten kommentiert. Auf der einen Seite muss man sich ja freuen, das die Windenergiegegner schon Sachen erfinden müssen um überhaupt was negatives schreiben zu können – auf der anderen Seite packt mich immer meine Ingenieur-Ehre, die Sache doch richtigstellen zu wollen. Würde gerne wissen wie Sie es handhaben.
    viele Grüsse aus Hamburg in meine hessische Heimat
    Stefan Kopp

  3. Könnte mir ein Elektro Ingenieur folgendes plausibel erklären ?
    Nur wenn man die von weitverzweigten Verlusten begleiteten Voraussetzungen der Energieproduktion wegläßt, kommt man auf energetische Amortisationszeiten für Windenergieanlagen von vier bis fünf Monaten. Solche Rechnungen erinnern jedoch an den mittlerweile in die Jahre gekommenen Spruch: „Ich habe nichts gegen Atomkraftwerke, bei mir kommt der Strom aus der Steckdose.“
    Wenn man Energie in einen monetären Wert umrechnet, wie es von Energieexperten bei der von der Volkswirtschaftslehre übernommenen Input-Output-Analyse gemacht wird, dann bedeutet das, daß sich Windenergieanlagen nach vier bis fünf Monaten nicht nur energetisch, sondern auch ökonomisch amortisieren müßten. Die Rendite würde also bei über 100 Prozent im Jahr liegen. Warum, bitte schön, verkaufen dann Unternehmen wie Vestas ,Enercon usw.Windenergieanlagen und stellen sie nicht selber auf, wenn es sich um so wundersame Goldesel handelt? Oder verhält es sich mit den Berichten über Erntefaktoren für Windenergieanlagen von 40 oder 70 etwa so wie mit den Büchern, die Titel tragen wie: „Wie werde ich Millionär?“ … wären die Empfehlungen in solchen Ratgebern zuverlässig, sollten es die Autoren eigentlich nicht nötig haben, ein Buch zu schreiben.
    Warum also lesen wir im „Handelsblatt“ über den Windkraftanlagenhersteller Vestas:
    „Der Windturbinenbauer hatte erneut den Umsatzausblick gesenkt und erwartet nun 6,0 statt bisher 6,4 Milliarden Euro Umsatz. Einen Gewinn traut sich das Unternehmen nicht mehr zu.“
    Warum gerät der weltweit größte Produzent von Windkraftanlagen in wirtschaftliche Bedrängnis, wenn er doch – angeblich – wahre Goldesel verkauft, die, kaum aufgestellt, dem Betreiber nach vier bis fünf Monaten eine Million nach der anderen in die Kasse spülen müßten?
    oder
    die Firma Enercon ist in unzählige Schwesterbetriebe aufgesplittet um den Einfluss der Gewerkschaft zu vermeiden.
    Ist das die Wirtschaftsform der Zukunft?
    Am Rande bemerkt: Regenerativ sind Energien aus Wind und Sonne nicht. Sie erneuern sich nicht, sondern gehen energetisch unwiederbringlich verloren.
    Zu guter letzt eine Prognose, die sicher um einiges näher liegt als die sogenannten errechneten Windprognosen: Chinesische Windräder werden in naher Zukunft auch hier den Markt dominieren!
    Claus Günther Dahms

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