{"id":2,"date":"2013-05-14T18:46:50","date_gmt":"2013-05-14T18:46:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wetterauer-landbote.de\/?page_id=2"},"modified":"2013-09-25T15:01:32","modified_gmt":"2013-09-25T13:01:32","slug":"beispiel-seite","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.wetterauer-landbote.de\/?page_id=2","title":{"rendered":"Lesestoff"},"content":{"rendered":"<h2>Ruhm und schwarze Zahlen<\/h2>\n<h3>Energiedorf Bergheim gewinnt Klimaretter-Preis und macht Gewinn<\/h3>\n<p><strong>Von Klaus Nissen<\/strong><\/p>\n<p>Der mit 5000 Euro dotierte Umweltpreis des Wetteraukreises von 2012 war nur der Anfang. Jetzt kassiert die Heizungsw\u00e4rme-Genossenschaft im Ortenberger Stadtteil Bergheim 10 000 Euro Preisgeld. Die Leser des Online-Magazins \u201eKlimaretter.info\u201c w\u00e4hlten die Bergheimer zur \u201eB\u00fcrgerenergie-Genossenschaft des Jahres 2013\u201c. Gegen 37 andere Genossenschaften punkteten die Bergheimer mit dem besten Gesch\u00e4ftsmodell. Den zweiten Platz belegte eine Genossenschaft aus Berlin-Brandenburg, die ihren Mitgliedern Anteile an einem Windkraftprojekt vermittelt. Den dritten Platz belegte eine 850 Mitglieder z\u00e4hlende Genossenschaft in Mecklenburg. Bundesweit investieren jetzt 136 000 Menschen in die umweltvertr\u00e4gliche Strom- und W\u00e4rmeproduktion, schreibt Klimaretter. Das seien 50 000 mehr als noch vor einem Jahr.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wetterauer-landbote.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/bergheim.gif\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-318\" alt=\"bergheim\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wetterauer-landbote.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/bergheim.gif?resize=298%2C250\" width=\"298\" height=\"250\" \/><\/a>Was passiert in Bergheim? Das Dorf hat knapp 700 Einwohner in 250 Wohnungen. Die 2008 gegr\u00fcndete Genossenschaft versorgt inzwischen 110 H\u00e4user mit 160 Wohnungen durch ein eigenes Fernw\u00e4rmenetz, berichtet der Ortsvorsteher und Aufsichtsratsvorsitzende Hartmut Langlitz dem Kreisanzeiger. Auch das B\u00fcrgerhaus, die Kirche, die Kita und das Sportlerhaus erhalten die Heizungsw\u00e4rme aus dem gro\u00dfen Holzhackschnitzel-Ofen neben dem Bleichenbach. Das geschredderte Holz aus heimischen W\u00e4ldern wird von einem Unternehmer angeliefert. Seit Juli bauen die Genossen nebenan ein eigenes gro\u00dfes Holzschnitzel-Lager, um noch unabh\u00e4ngiger zu werden. Die 10 000 Euro Preisgeld k\u00f6nnen sie daf\u00fcr gut gebrauchen.<\/p>\n<p>Rechnet sich das Ganze? Der Aufwand ist enorm. Mehr als drei Millionen Euro investierten die rund 110 Genossen bereits. Jeder gab mindestens 600 Euro als Einlage, berichtet Hartmut Langlitz. Weiteres Geld stammt aus Krediten. Mehr als 800 000 Euro kamen aus diversen staatlichen F\u00f6rdert\u00f6pfen. Gebaut wurde nicht nur der Ofen, sondern auch eine Solarstromanlage auf dem 320 Quadratmeter gro\u00dfen Dach der Halle. Sie liefert pro Jahr rund 44 000 Kilowattstunden Strom, den die Genossenschaft selbst verbraucht und teilweise ins Netz einspeist. Zur Heizanlage geh\u00f6rt noch ein 40 000 Liter fassender Warmwasserspeicher, der im Notfall auch von einem neuen \u00d6lbrenner der Genossenschaft gespeist werden kann. In den sowieso zur Kanalsanierung aufgerissenen Stra\u00dfen von Bergheim verlegte die Genossenschaft schlie\u00dflich f\u00fcnf Kilometer Hei\u00dfwasser-Rohre bis in die H\u00e4user der Mitglieder.<\/p>\n<p>Das rechnet sich, sagte Hartmut Langlitz. \u201eZum einen brauchen wir keine eigenen Heizkessel und Brenner mehr in unseren H\u00e4usern. Es riecht nicht nach \u00d6l. Und mancher hat sich auf dem frei werdenden Platz eine Sauna eingebaut.\u201c<\/p>\n<p>Zum anderen bezahle er selbst wie die anderen Genossen jetzt weniger Geld f\u00fcr sein warmes Leitungswasser und die Heizw\u00e4rme. \u201eDie Kosten entsprechen etwa einem Heiz\u00f6lpreis von 70 Cent pro Liter. Wer jetzt noch mit \u00d6l heizt, muss ja 85 Cent und mehr aufbringen.\u201c Alles in allem schreibe die Genossenschaft jetzt schwarze Zahlen, berichtet der Aufsichtsratsvorsitzende. Und das schon im dritten Betriebsjahr. Jeder Genosse besitze inzwischen ein anteiliges Anlageverm\u00f6gen von gut 30 000 Euro.<\/p>\n<p>Es gibt auch Nachteile. Die Gemeinschaftsheizung habe recht viele mechanische Teile, so Langlitz. \u201eDa verstopft auch mal ein Ast die Feuerung. Dann muss jemand hin und reagieren.\u201c Rund 40 Genossen m\u00fcssen in einem Dreierteam einen zweiw\u00f6chigen Heizungsdienst schieben. Wenn sie die Anlage per automatischem Notruf alarmiert, m\u00fcssen sie auch mal nachts raus. Das passiere zum Gl\u00fcck selten, so Langlitz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><\/h1>\n<h1>Ray-Kaserne in Friedberg als Wohnviertel am S\u00fcdhang<\/h1>\n<h2>Zwei Interessenten legen bald Konzepte f\u00fcr die 76 Hektar gro\u00dfe Milit\u00e4rfl\u00e4che vor<\/h2>\n<p><strong>\u00a0Von Klaus Nissen<\/strong><\/p>\n<p>Seit f\u00fcnf Jahren sind die Fenster der Ray-Barracks abends dunkel. Im Winter werden die gut \u00a060 Geb\u00e4ude der fr\u00fcheren US-Kaserne nicht beheizt, das Wasser ist abgestellt. Zurzeit wuchert das Gras kniehoch auf dem einst sorgf\u00e4ltig gepflegten Rasen. Hinter dem Haupttor k\u00e4mpfen sich Birken durch die Betonritzen ans Licht. Die gr\u00f6\u00dfte ist eineinhalb Meter hoch. Nur die M\u00e4hmaschine des Hausmeisters verhindert, dass auf dem riesigen Gel\u00e4nde am s\u00fcdlichen Stadtrand ein Wald zwischen den verlassenen H\u00e4usern w\u00e4chst. Was wird aus der Ray-Kaserne \u2013 dem Ort, an dem Elvis Presley zwei Jahre lang Milit\u00e4rdienst schob?<\/p>\n<p><strong>Wom\u00f6glich bleibt das 760 000 Quadratmeter gro\u00dfe Filetgrundst\u00fcck noch jahrelang ungenutzt. Es gibt aber Hoffung, dass sich bald K\u00e4ufer finden und viele Wohnungen bauen.<\/strong><\/p>\n<p>Drei Interessenten kennt Christiane Pfeffer, die Leiterin des Liegenschafts-Amtes. Die Stadt selber k\u00f6nne sich den Kauf der Kaserne nicht leisten. Zwei Interessenten gebe es momentan f\u00fcr das gesamte Kasernenareal. Wer es ist, m\u00f6chte Pfeffer nicht verraten. Im September sollen sie Konzepte vorlegen, wie sie die Kaserne umgestalten wollen. Erst wenn es zu einem Kaufvertrag kommt, werde die Stadt einen Bebauungsplan erarbeiten.<\/p>\n<p>Auch die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG habe das Gel\u00e4nde besichtigt, so Christiane Pfeffer. Das Interesse an neuem Wohnraum sei gro\u00df: \u201eJunge Familien aus dem Rhein-Main-Gebiet \u00fcberlegen sich gut, ob sie auf dem Riedberg bauen oder lieber zu uns kommen. Auch von Friedberg aus sind sie mit der Bahn in 20 Minuten in Frankfurt.\u201c.<\/p>\n<p>Der Bund ist Besitzer der Ray-Kaserne. Von Koblenz aus verwaltet Gerhard Schr\u00f6der in der Bundesanstalt f\u00fcr Immobilienaufgaben (Bima) die Friedberger Ex-Kaserne. Anfang Oktober werde er sie wieder bei der Immobilienmesse Expo Real in M\u00fcnchen anbieten. \u201eWir suchen flei\u00dfig\u201c, sagt Schr\u00f6der. Es sei nicht leicht, jemanden zu finden, der auf einen Schlag 76 Hektar Land kaufen und bebauen kann. Notfalls werde die Bima die Kaserne selbst erschlie\u00dfen \u2013 also Stra\u00dfen, Versorgungsleitungen und Abwasserleitungen erneuern \u2013 und dann die Baufelder st\u00fcckweise verkaufen.<\/p>\n<p>Das Hauptproblem ist die Erschlie\u00dfung, sagen Schr\u00f6der und Pfeffer\u00a0 unisono. Die Stra\u00dfen m\u00fcssen erneuert werden, alle Ver- und Entsorgungsleitungen ebenfalls. Ihr Trinkwasser haben die Amerikaner bis zum Abzug 2008 noch gechlort; das sei mit deutschen Vorschriften nicht vereinbar. Also m\u00fcssen die alten Leitungen mit den Chlor-R\u00fcckst\u00e4nden raus.<\/p>\n<h3><b>Auch Platz f\u00fcr Festivals<\/b><\/h3>\n<p>Wie teuer die Erschlie\u00dfung wird, haben Planer aus Darmstadt und Kaiserslautern in einer Machbarkeitsstudie grob ausgerechnet: Die Stra\u00dfenerneuerung schlage mit bis zu 1800 Euro pro Meter zu Buche. Allein die zentrale West-Ost-Verbindung vom Presley-Kreisel bis zur G\u00f6rbelheimer Hohl ist 1,2 Kilometer lang. Neue Abwasserleitungen kosten demnach rund 1200 Euro pro Meter. Die Planungskosten f\u00fcr die Erschlie\u00dfung: mindestens 600 000 Euro.<\/p>\n<p>Weiteres Geld kostet die Beseitigung von Altlasten und Weltkriegsmunition auf dem weitl\u00e4ufigen Gel\u00e4nde.<\/p>\n<p>Wie die Ray-Kaserne in 15 Jahren aussehen kann, deutet die auf der Friedberger Homepage ver\u00f6ffentlichte Studie an. Im Norden sieht sie Wohnh\u00e4user vor, im tiefer liegenden S\u00fcden eher B\u00fcros und Industriehallen. Freilich ist die Wohn-Nachfrage gr\u00f6\u00dfer als das Interesse von Industrie- und Handelsfirmen, so Christiane Pfeffer. Machbar seien Studentenwohnungen, Geschosswohnungen und Einzelh\u00e4user. Einige Kasernenbauten aus der Vorkriegszeit k\u00f6nne und m\u00fcsse man weiter nutzen, weil sie wahrscheinlich bald ins Denkmalbuch eingetragen w\u00fcrden. Noch brauchbar sind laut Machbarkeitsstudie die alte Kantine und die Werkst\u00e4tten der US-Soldaten.<\/p>\n<p>Ein Hotel k\u00f6nnte laut Studie an der alten Bundesstra\u00dfe 3 oberhalb des Presley-Kreisels entstehen.\u00a0 Der Capri-Club direkt am Kreisel sei zu erhalten oder durch einen Neubau zu ersetzen. In fr\u00fcheren Jahren wurde an dieser Stelle ein Elvis-Presley-Museum diskutiert. Etwa an der Stelle des alten Kasernen-Sportplatzes im \u00f6stlichen Teil k\u00f6nne man Sportst\u00e4tten f\u00fcr die Friedberger Vereine schaffen. Und den drei Hektar gro\u00dfen Ostzipfel der Kaserne an der G\u00f6rbelheimer Hohl deklarieren die Planer zum Veranstaltungsgel\u00e4nde. Wo die GIs einst den H\u00e4userkampf \u00fcbten, sei Platz f\u00fcr Festivals. Dort st\u00f6re der L\u00e4rm niemanden, und Platz f\u00fcr die Besucher-Autos gebe es auch.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #ff0000; text-decoration: underline;\">Die Geschichte der Ray-Barracks in Friedberg<\/span><\/span><\/p>\n<p>Anno 1913 bezog das Hessische Infanteriebataillon 168 die nagelneue Kaserne auf dem Wartberg am S\u00fcdrand von Friedberg. Schon im Jahr darauf mussten die Soldaten ins Feld. Die Kaserne wurde zum Gef\u00e4ngnis f\u00fcr kriegsgefangene Offiziere. Nach dem verlorenen Krieg wurde die Kaserne zum Polytechnikum \u2013 der heutigen Fachhochschule.<\/p>\n<p>Die Nazis quartieren 1933 eine SA-Einheit und eine Wehrsportschule in den Geb\u00e4uden auf dem Wartberg ein. 1938 zog das Infanterieregiment 36 aufs erweiterte Gel\u00e4nde. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Kaserne weitgehend von Bomben verschont. 1945 zogen US-Soldaten der f\u00fcnften US-Division (Spearhead) ein. Sie hatten von hier aus Eins\u00e4tze in Bosnien und in beiden Golfkriegen. Mehr als 2000 US-Soldaten waren in Friedberg stationiert. Der ber\u00fchmteste von ihnen war von 1958 bis 1960 der S\u00e4nger Elvis Presley.<\/p>\n<p>Am 18. September verlie\u00df der letzte US-Soldat die nach dem Weltkriegs-Helden Bernard J. Ray benannte Kaserne. Seitdem sucht die Bundesanstalt f\u00fcr Immobilienaufgaben nach einem K\u00e4ufer. Zeitweise vermietete sie das Stra\u00dfennetz an Autofirmen, die dort den Einsatz automatischer Steuerungssysteme testeten.<\/p>\n<h1><\/h1>\n<h1>Wetterauer Apfel-D\u00e4mmerung<\/h1>\n<h2>Es sieht nicht gut aus f\u00fcr die Ernte und die Wetterauer Streuobstwiesen<\/h2>\n<p><strong>Von Klaus Nissen<\/strong><\/p>\n<p>Die Apfel-Saison naht. Wie viel Obst w\u00e4chst dieses Jahr in der Wetterau? \u201eEs wird unter dem Durchschnitt liegen\u201c, prophezeit \u00a0Werner Margraf vom Obst- und Gartenbauverein in Ockstadt.\u00a0 Denn der Mai war zu dunkel. \u201eDas Licht ist wichtig f\u00fcr die Entwicklung des Fruchtansatzes. Der Mai hat durchschnittlich 160 Sonnenstunden. Aber in diesem Jahr waren es nicht einmal halb so viele.\u201c<\/p>\n<p>Auch Klaus-Dieter Kneip senkt den Daumen: \u201eIm Fr\u00fchjahr war es so kalt, dass die Bienen nicht aus den St\u00f6cken kamen, um die Apfelbl\u00fcten zu befruchten\u201c. Im Taunus sehe man allerdings auch Apfelb\u00e4ume voller Fr\u00fcchte, r\u00e4umt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Karbener Rapp\u2019s-Kelterei ein. Er hofft, aus der Region wieder mehr als die H\u00e4lfte der zur Apfelwein- und \u2013saftherstellung ben\u00f6tigten \u00c4pfel zu bekommen. Die Gro\u00dfkelterei produziert mehr als 15 Millionen Liter Apfelsaft. Was sie hier nicht bekommt, kauft sie in Markgr\u00f6ningen bei Ludwigsburg am Neckar. Dort besitzt der Hassia-Konzern, zu der die Keltereien H\u00f6hl und Rapp\u2019s geh\u00f6ren, eine weitere Gro\u00dfkelterei mitten in einem Obstanbaugebiet.<\/p>\n<p>Die Karbener Kelterer bem\u00fchen sich stark um die Wetterauer Fr\u00fcchte. Auch kleinste Mengen nimmt der Betrieb an der Brunnenstra\u00dfe von privaten Anlieferern ab. Los geht es etwa zwei Wochen sp\u00e4ter als sonst, wahrscheinlich in der zweiten Septemberwoche. \u201eWir werden nicht weniger als im vorigen Jahr f\u00fcr die \u00c4pfel zahlen\u201c, verspricht Kneip. Damals bekam man zehn Euro f\u00fcr jeweils 100 Kilo. Beim Apfelsammeltag am 12. Oktober werde man noch zwei Euro drauflegen, damit m\u00f6glichst viele und auch junge Menschen den Wert der heimischen Frucht erkennen.<\/p>\n<p>Daran hapert es n\u00e4mlich. Apfelb\u00e4ume zu kultivieren macht viel Arbeit. Man muss sie fachgerecht beschneiden, Baumscheiben frei halten und die Wiesen zweimal im Jahr m\u00e4hen. Andrea Menzenbach hat eine Obstwiese in Bingenheim: \u201eIch suche im Moment jemanden, der seine Schafe auf die Wiese treibt. Meine Pferde schaffen es nicht, das Gras kurz zu halten.\u201c Es sei auch schwer, Landwirte zu finden, die die Obstgrundst\u00fccke pflegen. \u201eIch habe die B\u00e4ume seit zwei Jahren nicht mehr beschnitten\u201c, gesteht die bei der Hessischen Gesellschaft f\u00fcr Ornithologie und Naturschutz arbeitende Echzellerin. Ihr fehle einfach die Zeit dazu. \u201eUnd das Aufsammeln der \u00c4pfel ist eine Knochenarbeit. Es lohnt sich eigentlich nicht.\u201c<\/p>\n<p>So kommt es, dass an vielen Stellen die Obstwiesen von Brombeerranken erobert werden.<\/p>\n<p>200 000 Hochstamm-Obstb\u00e4ume stehen noch auf gut 3000 Hektar Streuobstwiesen in der Wetterau, sch\u00e4tzt Frank-Uwe Pfuhl von der Umweltwerkstatt Wetterau in Assenheim. \u201eViele Obstb\u00e4ume sind \u00fcberaltert und wurden seit Jahrzehnten nicht mehr richtig gepflegt. Es sieht gruselig aus. Die B\u00e4ume verpilzen und brechen weg, wenn der Wind etwas st\u00e4rker weht.\u201c Weil es sich wirtschaftlich nicht lohnt, pflanze kaum noch jemand junge Apfelb\u00e4ume nach. Und selbst die haben es schwer, erg\u00e4nzt Werner Margraf aus Ockstadt: An der Rosbacher Quelle sei vor Jahren vom Brunnenbetrieb eine ganz neue Obstwiese angelegt worden. Dort halte man zwar das Gras kurz, doch die B\u00e4umchen h\u00e4tten seit Jahren keine Pflege mehr bekommen. Etliche von ihnen w\u00fcrden bald absterben.<\/p>\n<p>Viele Streuobstwiesen werden untergehen, glauben Margraf und Pfuhl. Das h\u00e4lt Pfuhl f\u00fcr schlimm, weil rund 5000 Tier- und Pflanzenarten auf Obstwiesen gedeihen. Der Steinkauz k\u00f6nne zum Beispiel nur dort seine Jungen aufziehen.<\/p>\n<p>Einige Streuobstwiesen werden bleiben. Manche Wiesen im \u00a0\u00f6stlichen Kreisgebiet bewirtschaftet der Naturschutzfonds Wetterau, dem der Kreis und alle seine Kommunen angeh\u00f6ren. \u201eWir versuchen, weitere Fl\u00e4chen in die landwirtschaftliche Nutzung zu bringen\u201c, sagt der im Kreishaus arbeitende Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Burkhard Olberts. Es sei nicht leicht, Landwirte f\u00fcr die arbeitsaufwendige Obstwiesenpflege zu finden. \u201eManchmal muss man Geld in die Hand nehmen.\u201c Das komme zum Beispiel herein, wenn Kommunen \u00d6kopunkte f\u00fcr Bauprojekte ansammeln m\u00fcssen. F\u00fcr 35 Eigent\u00fcmer organisiert der Naturschutzfonds Einsammlung und Abtransport von bis zu 300 Tonnen \u00c4pfeln auf 40 Hektar Land zur Karbener Kelterei. Damit will man laut Olberts Wiesenbesitzer ermuntern, den Apfelwein-Rohstoff weiter zu produzieren.<\/p>\n<p>Sieben weitere Wiesenbesitzer haben einen Nutzungsvertrag mit der Kelterei in diesem Sommer unterschrieben, so der Agraringenieur Caesar. Alle vier bis sechs Wochen organisiert er einen \u201eRunden Tisch Streuobst Karben\u201c. Da tagen bis zu 20 Leute in der Juice-Factory von Rapp\u2019s, erz\u00e4hlt Caesar. Im November wolle man einen Verein gr\u00fcnden, dessen Mitglieder sich gegenseitig beim Beschneiden, bei M\u00e4harbeiten und bei der Vermittlung von M\u00e4h- und\u00a0 R\u00fcttel-Maschinen zur Ernte von Kelterobst unterst\u00fctzen. Beim Kelterfest am 15. September wird die Initiative f\u00fcr den Verein werben. \u201eWir sind nicht auf das Karbener Stadtgebiet begrenzt\u201c, betont Clemens Caesar. Bei uns machen auch W\u00f6llst\u00e4dter und Rodheimer mit.\u201c Man bringe Grundsch\u00fclern in Petterweil und Kurt-Schumacher-Sch\u00fcler auf die Apfelwiesen und plane Obstbaum-Patenschaften: Da k\u00f6nnen junge Leute die B\u00e4ume auf den Wiesen alter Leute oder von abwesenden Besitzern pflegen und bekommen daf\u00fcr ein Ernterecht.<\/p>\n<p>Die Streuobst-Initiative erreicht man per Mail \u00fcber <a href=\"mailto:kontakt@agrar-botanicals-consult.de\">kontakt@agrar-botanicals-consult.de<\/a>. Es gibt auch eine Homepage: www.streuobstkarben.twoday.net.<\/p>\n<h2>\u00a0Alte Liebe<\/h2>\n<p>Gestern Abend hatte ich ein Rendezvous mit einer Geliebten aus alten Tagen nach langer, langer Zeit. Als sie mir in meinem Zimmer gegen\u00fcberstand und ich sie langsam, fast zeremoniell entbl\u00f6\u00dfte, sp\u00fcrte ich, wie sehr ich sie geliebt hatte.<\/p>\n<p>Die langen gemeinsamen Abende. Meine endlosen Monologe. Ihr stummes Hinnehmen. Wie damals stand sie vor mir, noch befleckt von all meinen Versuchen, meine Fehler auszul\u00f6schen.<\/p>\n<p>Als ich sie mit meinen Fingern ber\u00fchrte, war es wie in jenen fernen Jahren. Es war fast so wie beim ersten Mal. Ein leises Vibrieren ging durch ihre Glieder. Ihr vielleicht etwas kantiger K\u00f6rper ist so anmutig. Und sie ist so verl\u00e4sslich! Was immer wir zusammen taten, es blieb.<\/p>\n<p>Die kurze Begegnung mit der alten Geliebten lie\u00df die Nacht f\u00fcr mich sehr unruhig werden. Zweifel plagten mich. Warum war ich ihr untreu geworden? War hereingefallen auf dieses leichtlebige Flittchen, so jung, so schnell, so bunt, so grell? Wie oft reibe ich mir nach unseren hektischen gemeinsamen Stunden verzweifelt die brennenden Augen. Wie oft ist pl\u00f6tzlich verschwunden, womit wir uns stunden-, ja tagelang abgequ\u00e4lt!<\/p>\n<p>Sei gewarnt, du unzuverl\u00e4ssiges Ding. Meine alte Liebe ist da und wartet treu. Gestern Abend habe ich sie wiederentdeckt, leicht verstaubt in einer Ecke: Meine gute alte Schreibmaschine.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wetterauer-landbote.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/schreibmasch.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12\" alt=\"schreibmasch\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wetterauer-landbote.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/schreibmasch.jpg?resize=300%2C214\" width=\"300\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wetterauer-landbote.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/schreibmasch.jpg?resize=300%2C214&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wetterauer-landbote.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/schreibmasch.jpg?resize=419%2C300&amp;ssl=1 419w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wetterauer-landbote.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/schreibmasch.jpg?w=894&amp;ssl=1 894w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<h1>\u00a0Frau der Tat<\/h1>\n<p>Helga Hell* ist eine Frau der Praxis.Theoretisches interessiert sie nicht. Bedienungsanleitungen ignoriert sie. Das ist nicht immer von Vorteil.<\/p>\n<p>Einst hatte sie sich einen japanischen Kleinwagen gekauft. Gefragt, wie ihr der Wagen gefalle, schw\u00e4rmte sie: &#8222;Er f\u00e4hrt fast ohne Benzin, ist klein, trotzdem ger\u00e4umig, leise spritzig. Ein wunderbares Auto.&#8220; Doch dann wich ihr L\u00e4cheln einer Sorgenfalte: &#8222;Bl\u00f6d ist nur, dass der Hebel f\u00fcr das Fernlicht immer festgehalten werden muss. Das ist in Kurven gar nicht so einfach.&#8220;<\/p>\n<p>Ein Blick in die Betriebsanleitung des schnuckeligen japanischen Kleinwagens h\u00e4tte ihr offenbart: ein leichter Druck nach unten l\u00e4sst den Hebel f\u00fcrs Fernlicht einrasten. So fuhr sie jahrelang mit nach oben gezogenem Hebel &#8211; mit der Lichthupe, wenn sie Fernlicht brauchte.<\/p>\n<p>Ihr Sohn bekam diese Anleitungs-Resistenz auch zu sp\u00fcren. &#8222;Du hat meine N\u00e4hmaschine kaputt gemacht&#8220;, br\u00fcllte sie ihn an, nachdem er sich das Ger\u00e4t in einem Anflug m\u00e4nnlicher Emanzipation ausgeliehen hatte, um einen Aufn\u00e4her ans T-Shirt zu bringen. Danach hatte er den Ausschalter der N\u00e4hmaschine gedr\u00fcckt. Dessen Existenz war Helga Hell dank strikter Missachtung der Bedieungsanleitung verborgen geblieben. Sie hatte die Maschine durch Einstecken oder Ziehen des Netzsteckers an- oder ausgeschaltet.<\/p>\n<p><em>*Der Name Helga Hell ist frei erfunden, alles andere nicht.<\/em><\/p>\n<h1>Angesagt<\/h1>\n<p>Die Regionalbahn f\u00e4hrt von Friedberg nach Gie\u00dfen. &#8222;Mit Halt an allen Unterwegsstationen&#8220;, verk\u00fcndet die Zugbegleiterin \u00fcber die Lautsprecher. Ach, k\u00f6nnte der Zug doch einfach nur an allen Stationen halten. Aber nein, er muss &#8222;Unterwegsstationen&#8220; anfahren. Als k\u00f6nnte er die Gleise verlassen und zu anderen als denen unterwegs brausen.<\/p>\n<p>Freiwillig komisch war dagegen ein Zugbegleiter in der Weihnachtszeit. Als der Zug hielt, dr\u00e4ngelten alle Fahrg\u00e4ste zu einer T\u00fcr. &#8222;Das ist kein Adventskalender. Sie k\u00f6nnen auch mehrere T\u00fcren \u00f6ffnen&#8220;, verk\u00fcndete der Schaffner.<\/p>\n<h1>Zahlenspiele<\/h1>\n<p>Als es Mode wurde, Silben oder gar ganz Worte durch Ziffern zu ersetzen, schrieb ich folgende Glosse, die mir immer noch gut gef\u00e4llt:<\/p>\n<h2>Zum Ver2feln<\/h2>\n<p>Gebt 8. Wir Schlie\u00dfen\u201d, steht riesengro\u00df auf einem Transparent an einem Gesch\u00e4ft in Friedberg. Es ist Mode geworden, Worte oder Wortteile durch Zahlen zu ersetzen. Man hat damit nicht nur die Verbl\u00fcffung auf seiner Seite, man spart auch Platz. Der Spareffekt ist interessant f\u00fcr Journalisten, denn hier kommt es manchmal auf Buchstaben an, denn Zeitungsseiten sind endlich und der Platz f\u00fcr Artikel ist oft knapp bemessen.\u00a0 Wie sch\u00f6n, wenn dann viele Buchstaben durch eine einzige Ziffer ersetzt werden k\u00f6nnen. Ein Haus wird nur noch knapp reno4t, 1gem8es wird zwar nicht leckerer, aber k\u00fcrzer, der Ver1treff schrumpft, der Duden wird m8los \u2013 und der Leser ver2felt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ruhm und schwarze Zahlen Energiedorf Bergheim gewinnt Klimaretter-Preis und macht Gewinn Von Klaus Nissen Der mit 5000 Euro dotierte Umweltpreis des Wetteraukreises von 2012 war nur der Anfang. 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