{"id":550,"date":"2013-12-27T17:47:21","date_gmt":"2013-12-27T15:47:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wetterauer-landbote.de\/?page_id=550"},"modified":"2013-12-27T17:47:21","modified_gmt":"2013-12-27T15:47:21","slug":"fluechtlingsfamilie-sogamanian","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.wetterauer-landbote.de\/?page_id=550","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlingsfamilie Sogamanian"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie\u00a0 Fl\u00fcchtlingsfamilie Sogamanian ein Jahr nach der R\u00fcckkehr lebt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Von Klaus Nissen<\/strong><\/p>\n<p>ALTENSTADT &#8211; Sie leben in verschiedenen Welten \u2013 die Fl\u00fcchtlingsfamilie Sogamanian und\u00a0 Christian Schwarz-Schilling, der ehemalige Bundesminister und Hohe Repr\u00e4sentant f\u00fcr Bosnien und Herzegowina. Ashot Sogamanian (55) und seine Frau Swetlana (50) verdienen wenig Geld als Reinigungskr\u00e4fte. Schwarz-Schilling (83) hat Bez\u00fcge aus Unternehmensbesitz und Pensionen aus politischen \u00c4mtern. Seine Visitenkarte nennt Adressen in B\u00fcdingen, Berlin und in Sarajewo, wo er zurzeit eine Professur innehat. Trotzdem sitzen die Sogamanians und Schwarz-Schilling fr\u00f6hlich zusammen im Restaurant des Altenst\u00e4dter Bahnhofs. Mit dem 22-j\u00e4hrigen Sohn Mamikon verbindet den Politiker sogar eine Duzfreundschaft. \u201eEinmal im Monat besuche ich ihn zu Hause in B\u00fcdingen\u201c, erz\u00e4hlt der junge Altenst\u00e4dter. \u201eWir babbeln beide gern, und da kann es leicht bis in die Nacht gehen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_547\" style=\"width: 594px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wetterauer-landbote.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/neu-Sogamanian-e1388157581271.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-547\" class=\"size-large wp-image-547\" alt=\"Familientreffen mit Politikern: Swetlana, Mamikon (Dritter von rechts) und Vater Ashot Sogamanian (rechts) mit Christian Schwarz-Schilling. Der CDU-Landratskandidat Thorsten Herrmann (Zweiter von links) nutzte die Chance, die Familie kennenzulernen. Bild: Nissen\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wetterauer-landbote.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/neu-Sogamanian.jpg?resize=584%2C437\" width=\"584\" height=\"437\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-547\" class=\"wp-caption-text\">Familientreffen mit Politikern: Swetlana, Mamikon (Dritter von rechts) und Vater Ashot Sogamanian (rechts) mit Christian Schwarz-Schilling. Der CDU-Landratskandidat Thorsten Herrmann (Zweiter von links) nutzte die Chance, die Familie kennenzulernen. Bild: Nissen<\/p><\/div>\n<p>Ohne Schwarz-Schilling w\u00e4ren die Sogamanians jetzt in Armenien \u2013 oder als Illegale irgendwo in Moskau. Vor 20 Jahren lebte die aus Aserbeidschan stammende Familie in der armenischen Stadt Kapan an der Grenze zu Aserbeidschan und der umk\u00e4mpften Region Berg-Karabach. Weil der Vater nach eigenen Angaben in Opposition zur armenischen Regierung stand, floh die Familie 1997 nach Deutschland. In Altenstadt wuchsen die damals 14 und sechs Jahre alten S\u00f6hne Mikran und Mamikon mit der deutschen Sprache auf. Weil sie sportlich und gesellig waren, fanden sie Freunde beim VfL Altenstadt \u2013 Mikran als Kickboxer und Fu\u00dfball-Schiedsrichter, Mamikon als Basketballer. Nach der Schulzeit wurden sie Sicherheitsexperten: Mikran im Maintower, Mamikon auf dem Flughafen.<\/p>\n<p><strong>Die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde arbeitete beharrlich an der Abschiebung<\/strong><\/p>\n<p>Doch die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde des Wetteraukreises und das Darmst\u00e4dter Regierungspr\u00e4sidium arbeiteten jahrelang hartn\u00e4ckig an der Abschiebung der Familie. Bei einem Termin im Landratsamt wurden die Mutter und der \u00e4lteste Sohn vor Weihnachten 2011 festgenommen. Die Polizei setzte sie ins Flugzeug nach Moskau. Der j\u00fcngere Mamikon ging mit, obwohl er krank war und eigentlich im Bett liegen sollte. Der Vater durfte wegen seiner Herzerkrankung noch bleiben.<\/p>\n<p>Auf dem Moskauer Flughafen kollabierte Mamikon. Er landete f\u00fcr zwei Wochen in einer Isolierstation mit vergitterten Fenstern. Mikran und Swetlana wussten nicht, was sie tun sollten \u2013 sie kannten niemanden in Moskau. Sobald sie den Flughafen verlie\u00dfen, galten sie als Illegale. Da erbarmte sich eine aus Armenien stammende Flughafen-Mitarbeiterin, berichtet Swetlana. \u201eSie nahm uns in ihrer Plattenbauwohnung in Moskau auf. Da lebten wir dann acht Monate lang, ohne sie jemals zu verlassen.\u201c Erst nach zwei Monaten gelang es den S\u00f6hnen, via Internet Kontakt zu Freunden in Altenstadt aufzunehmen. Die alarmierten deutsche Medien. Doch auf Journalisten-Besuch lie\u00dfen sich die Abgeschobenen nicht ein. Mamikon: \u201eDas war zu gef\u00e4hrlich. Wenn die Moskauer Polizei mitbekommen h\u00e4tte, dass wir dort wohnen, dann h\u00e4tte sie jeden Tag 500 bis 1000 Rubel von uns verlangt.\u201c<\/p>\n<p>In der Wetterau lief es besser: Die Altenst\u00e4dter machten Christian Schwarz-Schilling auf das Schicksal der Sogamanians aufmerksam. Er hielt die Abschiebung bald f\u00fcr eine Fehleinsch\u00e4tzung der Beh\u00f6rden. \u201eDie haben den Sogamanians einfach nicht geglaubt\u201c, sagt Schwarz-Schilling noch heute voller Emp\u00f6rung. Der massive Druck des Elder Statesman, der Altenst\u00e4dter Freunde und etlicher Kreistagspolitiker f\u00fchrte im Sommer 2012 zur R\u00fccknahme der Abschiebung. Trotzdem war es laut Schwarz-Schilling \u201eunglaublich kompliziert\u201c, die R\u00fcckkehr von Mutter und S\u00f6hnen b\u00fcrokratisch korrekt zu organisieren. Die UN-Fl\u00fcchtlingsorganisation musste dazu der Familie vorl\u00e4ufige P\u00e4sse ausstellen und Schwarz-Schilling tagelang in Moskau mit Amtstr\u00e4gern verhandeln. Erst im September 2012 war die Familie wieder in Altenstadt zusammen.<\/p>\n<p><strong>Endlich ein normales Leben<\/strong><\/p>\n<p>Und jetzt? \u201eIch putze B\u00fcros in zwei Firmen\u201c, sagt Mutter Swetlana. Ihr Mann hat sich soweit erholt, dass er ebenfalls putzen und Hausmeister-Dienste auf 400-Euro-Basis verrichten kann. Das Ehepaar hat armenische P\u00e4sse bekommen. Im Februar muss es sich wieder um eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bem\u00fchen. \u201eOhne Anwalt kommen wir noch nicht aus\u201c, sagt Swetlana.<\/p>\n<p>Der jetzt 30-j\u00e4hrige Mikran ist inzwischen deutscher Staatsb\u00fcrger, lebt in Altenstadt mit seiner Freundin zusammen und arbeitet in der Firma ihres Bruders. Mamikon wartet noch auf seinen deutschen Pass. Mit Armenien habe er nichts am Hut: \u201eIch kann kein richtiges Armenisch. Und wenn ich dort hinfl\u00f6ge, w\u00fcrde man mich sofort verhaften, weil ich mich dem Wehrdienst entzogen habe.\u201c Noch erholt sich Mamikon von einer Operation. \u201eN\u00e4chstes Jahr fange ich in Bruchk\u00f6bel eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann an. Da muss man gut reden k\u00f6nnen. Und das liegt mir.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie\u00a0 Fl\u00fcchtlingsfamilie Sogamanian ein Jahr nach der R\u00fcckkehr lebt. Von Klaus Nissen ALTENSTADT &#8211; Sie leben in verschiedenen Welten \u2013 die Fl\u00fcchtlingsfamilie Sogamanian und\u00a0 Christian Schwarz-Schilling, der ehemalige Bundesminister und Hohe Repr\u00e4sentant f\u00fcr Bosnien und Herzegowina. 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